Villa Belgrano Boppard

Die Villa Belgrano – ein Sommerhaus für einen Fabrikanten

Schon als Kind habe ich dieses Gebäude bewundert. Die Villa Belgrano, eine Mischung aus alter Ritterburg und kleinem Schlösschen. Mit seinem großen Park mit dem alten Baumbestand könnte sie so auch in den Südstaaten der USA stehen. Obwohl ich in Boppard geboren bin, hatte ich nie die Gelegenheit, das imposante Gebäude von innen zu sehen.

Stell Dir das einmal vor: Wie in alten Filmen, eine Villa erbaut als Sommerhaus für die Gattin, die der Hitze in Argentinien flüchten wollte. Der ehemalige Besitzer, Franz Mallmann, hat im Jahre 1888 den Architekten August Heins beauftragt, eine Villa in Boppard zu bauen. Heins war schon vom Bau der Thonetvilla und der neogotischen Königsvilla kein Unbekannter und außerdem sein Schwager.

Was dieser August Heins aus dem 2800m² großen Weinberg und der Villa Somborn gestaltete, konnte sich mehr als sehen lassen. Die Villa ist im Stil der späthistoristischen Neurenaissance aus rotem Sandstein mit gelbem Ziegelblender gebaut. Seinen geheimnisvollen Namen Belgrano erhielt sie von einem Vorort von Buenos Aires. Boppard hatte immer schon einen Draht in die weite Welt! Aufgrund der großen Entfernung zwischen Argentinien und Deutschland nutzten die Mallmanns sie nur wenige Sommer und verkauften sie bereits im Jahre 1899/1900.

Von da an wechselte die Villa mehrmals die Besitzer. Im Zweiten Weltkrieg war sie Sitz der französischen Kommandantur im Mittelrheintal. Um 1960 war sie der Firmensitz der Sebapharma. Der Bopparder Unternehmer Willi Maurer, dessen Aufstieg mit der Erfindung von Rei in der Tube begann und der heute mit seinen Pflegeprodukten die ganze Welt erfreut. Sie war Kneipp und Kurzbad und diente als Raum für Kunstausstellungen, bis sie der Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz erwarb, um sie zu renovieren und als Seminarhaus zu nutzen.

Am Tag des offenen Denkmals war es soweit, die Villa Belgrano in Boppard öffnete ihre Toren und ich konnte sie endlich von innen bewundern. Dabei wurde den Gästen viel geboten. Burkhard Höhlein führte uns durch die verschiedenen Räume und erläuterte die spannende Historie der Villa. Die aufwendige Renovierung ist gelungen, dafür sind die Bopparder mehr als dankbar. Endlich konnte eines der historischen Häuser gerettet werden und ist nicht der Abrissbirne gefallen.

Die beiden Künstler Bim Köhler und Harald Pompl erklärten das eindrucksvolle Farbkonzept der Villa sowie verschiedene Flächenarbeiten. Starke, kräftige Farben stehen im Dialog mit dem alten Gebäude – eine gelungene Mischung, die eine angenehme Atmosphäre in das Gebäude bringt. Die Jazzband Schräglage entführte mich endgültig an den mächtigen Mississippi mit New Orleans Jazz und Dixieland. Als ich dann in der Sonne ein wenig blinzelte, war es da, das Gefühl der Südstaaten.

In naher Zukunft will man regelmäßig Veranstaltungen in der Villa Belgrano durchführen, um sie auch den Boppardern zu öffnen. Ich würde mich sehr freuen!

Bauernmarkt in Boppard

Am letzten Sonntag im Oktober findet der traditionelle Bauernmarkt statt. Petrus hat es in diesem Jahr wieder gut mit uns gemeint. Die Sonne strahlt vom Himmel. Die Luft ist klar und trocken. Der leckere Cochemer Bratwurststand vom Weinfest beglückt uns mit unserem Mittagessen. Noch ist es ruhig auf dem Marktplatz vor der Severuskirche.

Die Direktvermarkter der Region bieten Damwildprodukte, echtes Backesbrot, Ziegenkäsesorten, Hausmacher Wurst, Weingelee, hausgemachte Marmeladen, Liköre und Schnäpse und vieles mehr. Häkeln und Stricken liegen im Trend, deshalb werden auch Wolle und warme Schals und Mützen verkauft.

In einem offenen Gatter ist der Streichelzoo für die Kinder mit rosigen Ferkeln, scharenden Hühnern und mümmelnden Kaninchen. Die drei Schafe sind etwas mürrisch und jagen immer wieder ihre Stallgenossen weg. Nebenan im Stroh stehen zwei braune Kälbchen, wie sie sonst in Bayern zu finden sind. Mit großen dunklen Augen schauen sie uns an.

Am Gemüsestand können wir frische Ware kaufen. So manches ist uns auf den ersten Blick nicht bekannt, z.B. die zwiebelartigen weißlila Wurzeln. Als es so auf 2 Uhr geht, sind ganz Boppard und der halbe Hunsrück auf den Beinen. Mit Kind, Kegel, Oma und Opa schlendern sie über den Markt. Alle Cafés und Eisdielen sind bis auf den letzten Platz besetzt. Der verkaufsoffene Sonntag tut sein Übriges.

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Zwischen Schwarzwälderkirsch und Winzercurrywurst

Über zwei Wochenenden wurde das Weinfest in Boppard gefeiert, das bedeutet Hochsaison in der Stadt. Besucher aus nah und fernen reisen in die Stadt, die Fußgängerzone ist belebt und der Marktplatz mit seinen Winzerständen feuchtfröhlich. Musikgruppen aus dem nahen Holland und Belgien erfreuen uns jedes Jahr mit ihrem Können und spielen überall in der Stadt.

Nun ist mein Göttergatte ein Süßer und den Tortengenüssen nicht abgeneigt. Er freute sich auf einen leckeren Schwarzwälderkirsch-Kuchen, der deutsche Klassiker schlechthin. Nun, was soll ich sagen? Wie in dem alten Lied „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“ war in der ganzen Stadt kein Stück mehr zu erhaschen. Alles aufgefr….. Und das über 1,5 Wochen und mehreren Versuchen. Ich fand es nur lustig!

Besonders am Samstagabend ist das Weinfest recht voll. Viele Bopparder gehen mehr am Sonntagnachmittag oder 1. Montag – dem Bopparder Abend. Da wird es gemütlich auf dem Markt, man trifft alte Freunde und Bekannte, die man schon eine kleine Ewigkeit nicht gesehen hat und klönt, und freut sich.

Ruhig ist es auch auf den Schiffen am Abend. Die örtlichen Schiffslinien bieten Rundfahrten mit Feuerwerk an. Am Oberdeck hat man eine gute Rundumsicht und kann das beleuchtete Boppard sehen (=Tipp für Fotografen). Während des Feuerwerks liegt das Schiff in der Mitte des Flusses – ein besonderer Logenplatz ohne mühsames Anstehen! Hier wurde mir noch mehr bewusst, wie laut das Feuerwerk am Mittelrhein knallt. Als kleines Kind bin ich bei meinem ersten Feuerwerkserlebnis vor Schreck in Tränen ausgebrochen. Die Berge sind so dicht und hoch, dass jeder Knall von den Hunsrückhöhen hinter mir noch drei Mal als Echo zurückgeworfen wurde. Donnerkiesel!

Auf dem Markt hatte ich einen neuen Bratwurststand aus Cochem entdeckt, der als Highlight Winzercurrywurst versprach. Der Restauranttester in mir wollte den Testvergleich wagen. Die Wurstauswahl war gut und auch die Krakauer sah sehr appetitlich aus. Mmh, die Winzercurrywurst war sehr gut gewürzt und von guter Qualität. Da gibt man gerne etwas mehr aus. Die Pommes waren die bei den Deutschen wohl derzeit Beliebten, klein und dünn. Ich mag diese Sorte nicht so, sie schmeckt sehr schnell nach Salzstangen. Bei dem Bopparder Stand auf der gegenüberliegenden Seite (Test am Folgetag) waren die Pommes besser, die Wurst aber lascher.

Am Sonntagnachmittag die Überraschung, der sehnsüchtig erwartete Schwarzwälder traf in den Rheinanlagen wieder an und wurde an uns vorbei getragen. Nichts wie hin!